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Dein erster Schritt für mehr Gelassenheit im Alltag

Mama, mach mal omm!!!“

Dieser kurze Satz meiner Tochter vor mehr als einem Jahr hat viel nach sich gezogen. Ich hatte mich über irgendwas (ich kann mich nicht mal mehr erinnern, was es war) im Zusammenhang mit den Kids aufgeregt. Du kennst das. Irgendwas läuft nicht wie geplant, die Kids machen irgendeinen Unsinn (nur nicht das, was sie „sollten“), du „gerätst in Stress“. Schluss mit Gelassenheit im Alltag. Deine Stimme wir laut und du fängst an zu schimpfen.

„Mama – mach mal omm!“

Ich weiß nicht einmal, wo Mia diesen Satz aufgeschnappt hat. Aber an eins kann ich mich noch sehr gut erinnern: mein Mann und ich haben sofort innegehalten. Sie hatte ja so etwas von Recht. Erst einmal durchatmen. Stop sagen zum Reagieren. Raum schaffen für aktives Handeln.

Diesen Satz haben wir seitdem in unseren Familienalltag eingebaut. Wir verwenden ihn häufig. Sowohl die Kids als auch wir Eltern. Er ist unser gegenseitiges Signal, wenn wir zu laut werden. Uns zu stark aufregen. In den reaktiven Modus schalten. Mit dem anderen schimpfen, wenn wir im Stress sind.

Bin ich im Alltag deswegen immer gelassen? Nein. Aber ich habe eine riesengroße Hilfestellung, um in den entscheidenden Momenten die Wahl zu haben. Gelassenheit oder Stress.

Ich empfinde das inzwischen als so hilfreich, dass ich es zu meinem Motto für 2022 gemacht habe:

Erst mal omm machen!

Wieso ein kleiner Moment helfen kann, gelassener im Alltag zu sein

Vielleicht fragst du dich, was so ein kurzer Moment bringen soll. Ändert er irgendetwas an den Tatsachen? Nein, ganz bestimmt nicht. Aber er kann deine Reaktion auf die Tatsachen ganz entscheidend beeinflussen. Und damit, wie es dir geht sowie was die weiteren Handlungen und Folgen der Situation sind. Und darin liegt eine ganze Menge Macht.

JMS Coaching

Between stimulus and response, there is a space. In that space lies our freedom and our power to choose our response. In our response lies our growth and our happiness.

Steven Covey

Dieser Moment kann dir dabei helfen umzuschalten: vom Reagieren auf die äußeren Umstände zum Agieren aus freier Wahl. Vom passiven zum aktiven. Vom Getrieben sein zum Handeln.

Und damit gelassener im Alltag zu handeln.

Gelassenheit im Alltag

Wie viel unseres Stresses entsteht

Viel unseres alltäglichen Stresses entsteht dadurch, dass die Dinge nicht so laufen, wie wir sie uns vorstellen, wie wir sie gerne hätten bzw. wie wir sie geplant haben. Das sind die vielen, kleinen „daily stressors“, die sich den Tag über anhäufen.

Mit deinen Kids erlebst du solche Situationen vielfach am Tag. Aber auch ohne Kinder. Die lange Schlange an der Kasse. Der Kunde, der sich vordrängelt. Die Arbeitskollegin, die wieder etwas von dir will, obwohl du zeitlich knapp dran bist. Die Hotline, in deren Warteschleife du seit einer viertel Stunde hängst. Die schlecht gelaunte Chefin.

Solche Situationen lösen automatisch Stress in dir aus. Genauer gesagt, wahrscheinlich eine oder mehrere der folgenden Emotionen: du ärgerst dich, bist frustriert, enttäuscht, überfordert, verunsichert, genervt, gestresst, wütend,

Und unsere Emotionen sind schneller als unser Verstand. Bevor du überhaupt kapiert hast, was mit dir los ist, hast du schon reagiert. Mit deinen Emotionen im Fahrersitz.

Ich bin mir sicher, du kennst das. Du schimpfst den anderen Kunden an. Du weist deine Arbeitskollegin unfreundlich ab – oder du übernimmst die Aufgaben und ärgerst dich später drüber. Du bist nach einer viertel Stunde Hotline innerlich total geladen und für die nächste Stunde schlecht gelaunt. Die Kids ignorieren dich immer noch? Du wirst lauter und lauter, motzt rum und machst Vorwürfe. Du tust Dinge, die dir nachher leid tun. Oder die du „mit klarem Kopf“ nicht oder anders gemacht hättest.

Das Problem ist, dass dies meistens ein Weg ist mit dem Stress umzugehen, der nicht langfristig hilfreich und lösungsorientiert ist. Das eigentliche Problem kannst du in solchen Situationen meistens nicht lösen. Und ein emotionaler Umgang damit verschärft die Situation nur noch. 

Gelassenheit und „ich musste aber…“

Ein Faktor, der uns meist dabei blockiert, hilfreich und gelassen mit solchen Situationen umzugehen, ist die Tatsache, dass wir uns als „Opfer“ sehen. Ich muss ja so reagieren, weil der andere …

Wenn meine Kinder sich nicht so verhalten würden, dann …

Sobald ich diese Haltung bei mir erkenne, gehen meine innerlichen Alarmglocken an. Denn genau das ist der Moment, in dem ich die Wahl habe „Opfer“ zu sein und zu reagieren. Oder ganz bewusst zu handeln und zu agieren.

Natürlich ist es meisten wahr, dass der andere irgendetwas tut, was dich ärgert. Oder frustriert. Oder enttäuscht. Oder stresst.

Und trotzdem hast du die Wahl! Du kannst dich jetzt von deinen Emotionen leiten lassen und auf den anderen ungefiltert reagieren. Oder du kannst einen Moment inne halten.

Du kannst den anderen nicht ändern. Aber du kannst selber bewusst handeln.

Du kannst entscheiden, wie du handeln möchtest. Oder ob überhaupt.

JMS Coaching

While mindfulness does not necessarily change what is happening, it changes our relationship to what is happening. It helps us disembroil ourselves, see the situation with clear eyes, and wisely respond instead of automatically react.

Dr. Shauna Shaprio

Gelassenheit im Alltag einbauen

Genau hier kommt mein Motto „erst mal omm machen!“ in Spiel. Das ist der eine Moment, in dem du einen mini Schritt zurücktreten kannst.

Einmal tief durchatmen.

Nicht reagieren, weil der andere ja …

Sondern agieren, weil du es so möchtest.

Durchatmen. Kurz runterkommen. Wenn es hilfreich für mich ist, verlasse ich sogar kurz den Raum.

Drei Mal tief ausatmen. Beruhigen. Dadurch kannst du dir schnell dabei helfen, Klarheit zu gewinnen.

Was ist grad mit mir los? Was löst Stress aus?

Was ist mir wirklich wichtig? Was ist hilfreich für die Lösung dieser Situation? Was hilft mir jetzt weiter?

Wie möchte ich reagieren?

Klarheit ist ein Zaubermittel. Es ist so hilfreich. Für deine Emotionen und deine Handlungen. Für mehr Gelassenheit im Alltag.

Ist das immer einfach?

Nein. Es klappt auch nicht immer bei mir. Aber es ist wie mit allem. Es ist eine Sache der Übung. Mit jedem Mal finde ich es einfacher. Für die Übung hat es tatsächlich sehr geholfen, dass wir uns in der Familie gegenseitig dran erinnern.

Und ich merke es immer schneller, wenn ich reagiere statt zu agieren. Ich werde mir schneller bewusst über meine Emotionen. Kann sie besser ausdrücken. Und weiß, was mir hilft. Und meistens werde ich mir auch ziemlich schnell darüber klar, was mir wirklich wichtig ist und wie ich konstruktiv an einer Lösung arbeiten kann. Oder wie ich die Situation einfach Situation sein lassen kann.

Dieser kleine Satz „Erst mal omm machen!“ hilft mir sehr dabei, gelassener im Alltag zu sein.

Gelassenheit im Alltag

Gelassenheit – lasse ich dadurch „alles mit mir machen?“

Nein. Das ist kein Freifahrtsschein, dass du alles mit dir machen lässt. Oder dass alles Verhalten anderer dir gegenüber ok ist. Dass du alles einfach hinnehmen sollt. Im Gegenteil!

Es hilft dir dabei, einen klaren Kopf zu bewahren. Nicht aus den Emotionen heraus zu reagieren. Sondern mit Bewusstsein so zu handeln, wie du es möchtest. Wie es hilfreich für dich ist. Wie es deinen Vorstellungen und deinen Werten entspricht.

Und in Klarheit kannst du auch sehr gut Grenzen setzen. Du kannst in Ruhe über deine Erwartungen sprechen. Du kannst überlegen, welches Verhalten dich am meisten weiterbringt.

Und was ist mit den Emotionen? Müssen die nicht raus?

Gelassenheit heißt nicht: Emotionen unterdrücken! Sondern einen Moment schaffen, mir über mich und die Situation bewusst zu werden. Um mit den Emotionen umgehen zu können, aber sich nicht von ihnen überwältigen zu lassen. Und schon gar nicht, ihnen unüberlegt das Steuer zu überlassen.

Emotionen weisen dich immer auf etwas hin. Darauf, was gerade bei dir los ist. Und das ist wichtig. Auch besonders hierbei hilft der kurze „Omm“-Moment. Erst einmal Klarheit darüber zu schaffen, was überhaupt in die vorgeht. Es dann zu benennen „ich fühle mich …“. Um dann damit umgehen zu können. Unterdrückte bzw. nicht bearbeitete Emotionen entladen sich immer auf die eine oder andere Weise.

Dein Transfer für den Alltag – wie du den „omm“-Moment einbauen kannst

  • In welchen Situationen fällt es dir schwer, zu agieren statt zu reagieren?
  • Welche Emotionen leiten dich dann?
  • Was kannst du dir sagen, um dir einen kurzen „Omm“-Moment zu verschaffen? Was kann dein Motto sein?
  • Welche Fragen kannst du dir stellen, um Klarheit in der Situation zu bekommen?
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