Hast du auch schon mal einen dieser „Super-Tipps“ bekommen?

  • „Du musst unbedingt Yoga machen zum Stressabbau. Holt mich total runter. Funktioniert super!“
  • „Zu viel Stress? Dann lies mal abends wieder in Ruhe ein Buch!“
  • „Du solltest dich abends nicht auch noch mit Freunden treffen, wenn du so viel um die Ohren hast! Ruh dich aus oder geh eine Runde joggen.“
Auszeit im Alltag

Was ist das Problem damit? Also, unter uns gesagt: Ich erhole mich beim Yoga nicht. Leider. Schon oft probiert, aber das ist nichts für mich. Und genau das ist der springende Punkt. Durch welche Aktivität oder „Nicht-Aktivität“ dein Körper sich von Stress erholt ist sehr individuell. Das kann bei dir ganz anders sein als bei deiner Freundin oder deinem Partner. Es soll sogar Leute geben, die sich wunderbar beim Rasenmähen erholen …

Warum ist es so wichtig, dass du dir und deinem Körper Erholungsphasen im Alltag gibst?

Über die allgemeinen gesundheitlichen Auswirkungen von Stress möchte ich hier nicht schreiben. Das gibt es ständig überall zu lesen. Mich interessiert vor allem – wie geht es dir? Hast du das Gefühl, du merkst die Auswirkungen deiner Alltagsbelastungen? Bist du gestresst? Fällt es dir schwer abzuschalten? Bist du erschöpft? Schläfst du schlecht? Spürst du gesundheitliche Beeinträchtigungen, die mit zu viel Stress einhergehen wie Verspannungen, Kopfschmerzen oder Verdauungsprobleme? Bist du viel gereizt? Bist du gedanklich häufig schon bei der nächsten Sache, wenn du gerade eine andere tust, oder hast Konzentrationsprobleme? Das können alles Warnsignale für zu viel Stress sein.

Um die körperlichen und emotionalen Folgen von Stress abzubauen, brauchst du Erholungsphasen. Und leider reicht es dabei nicht aus, dich ein bis zwei Mal im Jahr im Urlaub zu entspannen (auch wenn das sehr gut ist). Im Gegenteil – es ist wichtig, Erholung in den Alltag zu integrieren. Und fachlich gesehen bedeutet Erholung dann alles, was dir und deinem Körper dabei hilft, die Folgen von Stress zu mindern. Dabei ist es unabdingbar, dass du lernst, wie du und dein Körper den Parasympathikus aktivieren können. 

Vereinfacht gesagt: Der Parasympathikus ist der Teil deines Nervensystems, der für Erholung sorgt. Wenn er arbeitet, erholt sich dein Körper und du regenerierst. Er ist der Gegenspieler zum Sympathikus, dem Teil deines Nervensystems, der für Aktivität zuständig ist und der die Energien für deinen Alltag bereitstellt. Ok. Und wie funktioniert das?

Erholung im Urlaub

Was solltest du grundsätzlich beachten, wenn du Stress im Alltag abbauen möchtest?

Zunächst einmal ist es wichtig zu erwähnen, dass es hier um gesunde Strategien im Alltag zur Aktivierung des Parasympathikus und zum Stressabbau geht. Diese gesunden Herangehensweisen sind deshalb so wirkungsvoll, weil sie gleichzeitig regenerativ und präventiv wirken. Sie helfen dir also dabei, dich von Stress zu erholen und machen dich gleichzeitig weniger anfällig für Stress.

Ein sehr wichtiger Faktor für die Erholung ist das „Loslösen“ von der Arbeit. Und zwar physisch und psychisch.Es gehört also auch dazu, gedanklich möglichst wenig bei der Arbeit zu sein. Das ist im Moment mit viel Homeoffice und „zwischendurch arbeiten“ ja noch schwerer geworden. Bei den fließenden Übergängen von Job und Privatleben und der häufig dazu kommenden „ständigen Erreichbarkeit“ ist es ganz essenziell, dass du für dich folgende Fragen beantwortest – gerade, wenn du momentan im Homeoffice bist: Wie kann ich meine Aufgaben so beenden, dass ich später möglichst wenig an sie denke? Wann ist Schluss mit meiner Arbeit und wie kann ich ein Übergangsritual schaffen, um damit abzuschließen?

Und das Allerwichtigste: Erholung darf nicht ein weiterer Punkt sein, denn du erledigen musst. Sei ganz ehrlich zu dir, wenn du dir folgende Frage beantwortest: Ist diese Aktivität nur ein weiterer Punkt auf meiner To-Do-Liste, weil ich denke, ich sollte ihn tun? Oder hilft sie mir dabei, mich wirklich zu entspannen und zu erholen?

Wenn Ersteres der Fall ist, dann ist es Zeit, diese Sache zu streichen! Und etwas anderes für dich zu finden, was du gerne tust und was dir hilft, Stress abzubauen und dich zu erholen.

Was kannst du zum Stressabbau im Alltag alles tun?

Kurz gesagt – alles, was gesund ist und dir guttut!

Ich höre oft: „Das ist echt Wahnsinn, wie diszipliniert du bist mit deinem Sport.“ Und ich kann immer nur antworten: „Das hat bei mir nichts mit Disziplin zu tun!“ Denn weißt du wieso? Ich liebe Sport, ich brauche Sport. Sport ist mein „Erholungsfaktor Nr.1“ im Alltag. Wenn ich Sport mache, tue ich mir und meinen Körper etwas Gutes. Welchen Sport? Bei mir ganz klar Auspowern (auch wenn ich in den letzten Jahren etwas sanftere Sportarten für mich entdeckt habe …) und am liebsten in der Gruppe. Aber das ist eben bei mir so und kann bei dir völlig anders sein!

Bleiben wir mal beim Sport. Der ist wirklich ein gutes Beispiel. Sport ist generell sehr gut für den Stressabbau, keine Frage. Unzählige wissenschaftliche Studien haben den Zusammenhang zwischen Sport und Gesundheit und Wohlbefinden gezeigt. Und zwar körperlich und psychisch. Aber in welcher Form? Genau das ist der springende Punkt. Das hängt ab – und zwar von dir! Es ist immer gut, deine Herzfrequenz moderat in die Höhe zu treiben. Aber ansonsten? Mach das, was dir guttut und woran du Freude hast! Drinnen, draußen, alleine, in der Gruppe, auspowern, moderat, mit Musik, ohne Musik, …

Und abseits von Sport? Auch hier kannst du aus einer Vielfalt von Betätigungen wählen. Immer unter der Prämisse: Du entspannst bei dieser Aktivität und dein Parasympathikus bekommt die Chance, zu „arbeiten“.

Dann kann es selbst eine „Nicht-Aktivität“ sein, wie auf dem Sofa zu liegen und nichts zu tun.

Auszeit im Alltag

 Ansonsten sind dir kaum Grenzen gesetzt. Da kennst du dich selbst am besten. Eine gute Freundin treffen, mit voller Konzentration mit den Kindern spielen, ein Museum besuchen, in die Sauna gehen, ein Buch lesen, Spazieren, Musik hören, ins Konzert gehen, etwas leckeres Kochen, telefonieren, einen Ausflug machen, …

Wichtig ist, dass du für dich 5 Aktivitäten kennst, die dich „runter holen“. Die dir helfen, Stress abzubauen und deinem Körper Erholung bringen.

Hier ein paar Fragen zur Anregung, die dich dabei unterstützen können, das Richtige zum Erholen und Abschalten für dich zu finden:

  • Welches Sportlevel soll es für dich sein? Auspowern oder eher sanft?
  • Alleine oder in Gesellschaft?
  • Eher eine ruhige Tätigkeit oder eine mit Action?
  • Eine mit vielen sensorischen Reizen oder mit wenigen?
  • Wie viel intellektuelle / musische Betätigung soll es sein?

Du siehst, die Bandbreite ist groß. Für den einen ist es eben das Glas Wein am Abend mit Freunden, für den zweiten ist es das Buch und für den dritten das CrossFit-Training. (Wenn du noch mehr Anregung dazu brauchst, schau mal hier https://www.manana-kompetenz.de/text.htm Das dazugehörige Buch von G. Frank & M. Storch ist auch absolut lesenswert!).

Noch zwei wichtige Punkte zum Abschluss, die meines Erachtens beim Thema Stress nicht fehlen dürfen. In der Forschung wird immer deutlicher, wie wichtig guter und ausreichender Schlaf für die Erholung aller körperlicher Systeme ist. Also, gerne einen Fokus auf guten und ausreichenden Schlaf legen!

Und dann, eins meiner Lieblingsthemen: Genießen! Tu dir was Gutes. Sei voll präsent, wenn du das tust. Nimm dir die Zeit zum Genießen. Genieße bewusst. Denn die besten Erholungsaktivitäten bringen dir nicht sehr viel, wenn du sie in einen vollen Terminkalender reinquetscht und gedanklich schon bei der nächsten Tätigkeit bist.

Dein Transfer

  • Was sind meine Top 5, um mich gut zu fühlen, runter zu kommen und von Stress zu erholen?
  • Wie kann ich diese Dinge in meinen Alltag einbauen – und zwar so, dass ich sie genießen kann?
  • Welche Aktivitäten streiche ich aus meinem Kalender,
    • weil ich sie nur tue, weil ich denke, ich sollte sie tun?
    • weil sie nicht wirklich erholsam für mich sind?
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