Eins vorweg: ich habe nicht gedacht, dass ich darüber mal schreiben werde. Und nicht, dass dies im Jahr 2020 immer noch Thema ist. Ich habe immer gedacht, wir sind heute weiter. Ein Blick in die private und berufliche Welt um mich herum belehrt mich aber eines Besseren. In der Realität ist es noch immer häufig so, dass talentierte Frauen, sobald sie Mama werden, auf den nächsten beruflichen Schritt verzichten. Entweder, weil sie sich dem Druck nicht aussetzten möchten, oder schlichtweg, weil ihnen die Chance nicht mehr geboten wird. Und wenn sie den nächsten Schritt gehen oder lange Tage arbeiten, machen sie sich Vorwürfe und fragen sie sich: „Bin ich jetzt eine schlechte Mama?“. Kennst du da was von?

Ich finde es traurig, dass das noch so ist. Und es macht mich wütend. Mein Vorschlag ist, dass wir aufhören in Dualität zu denken – Mama und Karriere, geht das? Wir brauchen: Mama und Karriere – wie geht das?

Abgesehen von dem Vielen, dass bei den Arbeitgebern und in der Politik dafür getan werden muss, dass das funktioniert, hier mein ganz persönliches Plädoyer für working moms:

Mama und Karriere - hört auf zu urteilen!

Mama und Karriere

Die Urteile sind überall. Einige Beispiele:

  • „Du arbeitest zu viel und siehst deine Kinder so wenig.“ („Rabenmutter!“)
  • „Langweilst du dich nicht, so viel zu Hause mit den Kindern?“ („Hausmütterchen!“)
  • „Was machen denn deine Kinder, wenn du so lange arbeitest?“
  • „Wofür hast du denn so lange studiert, wenn du jetzt so viel zu Hause bist?“
  • „Kriegst du denn auch genug mit von deinen Kindern?“
  • „Warst du nicht immer besser im Studium als dein Mann? Ist das nicht unbefriedigend grad?“

Irgendwie scheint keine Lösung die Richtige zu sein. Und genau da liegt für mich der springende Punkt. Es geht nicht darum, es anderen recht zu machen. Sondern darum, dass du für dich die am besten passende Lösung findest. Frauen (und Männern), die im Westen aufgewachsen sind, fehlt es häufig an Rollenvorbildern, wie es mit Karriere und Kind klappen kann. Die meisten von uns kennen nur das eine oder das andere.

Das Thema „Kind und Karriere“ ist – zum Glück – ein Öffentliches. Aber dahingehend, was in der Politik, der Gesellschaft und in den Unternehmen dafür getan werden muss, dass es funktioniert. Aber wie sich jede einzelne Familie dafür entscheidet, ist zu tiefst privat!

Höre auf, andere Frauen und Familien dafür zu beurteilen, wie sie es machen. Habe auch den Mut, es auszusprechen, wenn es dir solche Verurteilungen auffallen. Ich kenne keine Studien dazu, dass eine Mutter zu bestimmten x % zu Hause sein muss, damit die Kinder gesund und wohlbehalten aufwachsen können.

Da finde ich den Satz viel treffender: Wenn du glücklich bist, ist es auch viel wahrscheinlicher, dass deine Kinder glücklich aufwachsen!

Schaue dir an, wie es andere machen, und lasse dich inspirieren. Und dann:

Mama und Karriere - was möchtest du?

Es ist wichtig herauszufinden, welches für Dich, Deine Partnerschaft und deine Familie der richtige Weg ist.Welches ist der Weg, der sich für Euch gut anfühlt? Und mit dem ihr glücklich seid? Das kann sich immer wieder ändern. Ich habe gelernt, dass man sich diese Fragen immer wieder stellen muss. Das Leben und allen voran das Leben mit Kindern ist nicht im Detail planbar, es ist gekennzeichnet durch Veränderungen. Vor meinen Kindern hatte ich eine andere Vorstellung davon, wie ich meine weitere Karriere gestalten möchte. Meine Wünsche und Ziele haben sich verändert, also auch meine Umsetzung. Hier ein paar Fragen zur Anregung:

  • Was sind deine Vorstellungen davon, wie du das Leben mit deinen Kindern gestalten möchtest?
  • Welche Vorstellungen haben du und dein Partner davon? Wie wollt ihr als Familie leben?
  • Was ist dir und Euch im Hinblick auf das Leben als Familie und das Aufwachsen der Kinder wichtig? Wie viel Zeit wollt ihr gemeinsam verbringen?
  • Was ist dir im Hinblick auf deine Karriere wichtig? Welche Ziele hast du für deine Karriere? Was ist deinem Partner wichtig im Hinblick auf seine Karriere?

Welche Rollenverteilung wollt ihr in eurer Partnerschaft und Familie leben? Welches Rollenvorbild möchtest du für deine Kinder sein?

Mama und Karriere - wie kann es funktionieren?

Mama und Karriere - dad

Wenn du und ihr das für Euch klar habt, habt ihr den Grundstein gelegt. Den braucht ihr, um EUER Leben zu leben. Es macht dich stark, um mit Arbeitgebern in den Austausch zu gehen. Um blöde Kommentare von außen achtlos zu lassen. Um im wuseligen und anstrengenden Alltag die Richtung nicht zu verlieren. Um dich und euch glücklich zu machen.

Und der nächste Schritt ist, die Frage zu klären: wie setze ich / wir das jetzt um? Jetzt wird es ganz praktisch. Ist mein Arbeitgeber im Boot? Welches ist der richtige Arbeitgeber, um meine Ziele zu verwirklichen? Welches der richtige Arbeitgeber für meinen Partner? Braucht es einen Jobwechsel? Zu welchen Zeiten arbeitet wer? Welches ist die richtige Betreuung für die Kinder? Welche Optionen haben wir für die Kinderbetreuung? Kita, Ganztagsschule, Großeltern, Babysitter, Freunde? Wer übernimmt welche Verantwortungen? Und ganz wichtig: wie kommuniziere ich meine Vorstellung? Hier erlebe ich leider immer wieder, dass Frauen vorsichtig und zaghaft ihre Vorstellung, wie Kind und Karriere umzusetzen ist, kommunizieren (vor allem gegenüber Arbeitgebern). Sich leicht verunsichern lassen. Statt selbstbewusst dahinter zu stehen.

Mama und Karriere - das richtige Mindset

Du hast dich entschieden. Ihr habt euch entschieden.

Was ist deine und eure Umsetzung? 50:50? Beide Vollzeit? Einer Teil- und einer Vollzeit? Einer Vollzeit einer gar nicht?

Jetzt ist es wichtig, das richtige Mindset dazu zu entwickeln. (wenn du es nicht schon längst hast). Es wird dir und euch helfen, deinen und euren Weg zu gehen.

Streiche Rabenmutter und Hausmütterchen aus deinem Wortschatz. Was ist der neue Satz, der dich und euch leiten kann? Etwas wie „wir haben uns dafür entschieden. Ich bin damit glücklich, mein Partner ist damit glücklich. Dann sind wir auch für unsere Kinder die besseren Eltern.“

Mama und Karriere - quality time

Zwei Beispiele: 

Hast du (ihr) dich dafür entschieden, dass du deine Karriere in 75% weiterverfolgen möchtest, nehme an, dass es jetzt 75% für deine Arbeit sind. Deine 75% sind jetzt deine neuen 100%, an denen du dich beruflich messen solltest. Sonst hast du ständig das Gefühlt, „es ist nicht genug, was du lieferst“.

Zweites Beispiel: du hast dich entschieden, zu 100% zu arbeiten. Lerne zu akzeptieren, dass dadurch automatisch weniger Zeit für anderes bleibt. Mache „quality time statt quantity time“ zu deinem neuen Leitsatz.

Nimm dir die Zeit, das richtige Mindset für dich und euch zu entwickeln. So kannst du und ihr euren Weg gehen. Könnt mir Überzeugung und Kraft andere ins Boot holen, damit es funktioniert.

Und du musst dir nicht mehr die Frage stellen: Mama und Karriere – geht das? Sondern: Mama und Karriere: für mich geht das so!

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