Du kennst das. Die eine Aufgabe, die Dir deine Chefin von 2 Wochen gegeben hat, liegt immer noch da (und wird es wahrscheinlich noch eine Weile). Oder der Anruf, den du schon vor Wochen machen wolltest. Das Gästezimmer, das du schon seit Wochen ausmisten willst. So hat jede von uns die eine oder andere Aufgabe, die sie immer wieder vor sich herschiebt. Prokrastination heißt das dann in der Fachsprache.

Aufschieberitis

Warum macht es überhaupt Sinn, sich mit Aufschieberitis zu beschäftigen? Aufschieberitis nervt. Und vor allem belastet es. Du hast diese eine Aufgabe immer im Hinterkopf. Unangenehm. Du beschäftigst dich ständig mit ihr, aber erledigen tust du sie nicht. Dadurch kann das Aufschieben einen Haufen extra Zeit verursachen. Und es ist meistens nicht sinnvoll, Aufgaben aufzuschieben. Beschäftigen musst du dich früher oder später sowieso damit. Jedenfalls meistens. Kurz gesagt: Auschieberitis raubt Nerven & bringt selten etwas außer, dass ständig dieses unangenehme Gefühl der unerledigten Aufgabe hochkommt.

Aber das mal vorweg: es gibt auch gute Gründe, aufzuschieben. Forscher haben herausgefunden, dass besonders kreative Menschen sehr gut in Prokrastination sind. Wieso? Wie gesagt, die Aufgabe arbeitet im Hintergrund des Kopfes. So kann nicht-lineares Denken angestoßen und diverse Idee generiert werden. ABER: das funktioniert nur, wenn die Aufgabe schon gestartet ist! „Quick to start, slow to finish!“. (Für kreative Prozesse sind dann im Übrigen noch weitere Faktoren wichtig, die aber meinen Rahmen hier sprengen würden. Adam Grant hat dazu einen tollen TED-Talk gehalten, der sich echt lohnt, anzusehen.)

Aber ganz ehrlich: die Ausrede mit der Kreativität zählt bei den meisten Aufgaben einfach nicht … das Gästezimmer lässt sich wahrscheinlich nicht besonders kreativ aufräumen …

Gründe für die Aufschieberitis

Was das Beispiel mit den Kreativen aber auch zeigt, ist ganz wichtig: Bevor du losläufst und Techniken gegen Aufschieberitis anwendest, frage dich zuerst: Wozu schiebe ich auf? Was steckt dahinter? Aufschieberitis kann nämlich ganz unterschiedliche Motive haben. Häufig steckt „einfach nur“ eine Aufgabe dahinter, die bei dir Unlust erzeugt. 

Aufschieben

Eine Aufgabe, mit einer oder mehreren der folgenden Eigenschaften: sehr groß, schwierig, unübersichtlich, langweilig, neu und herausfordernd, unangenehm, … Du kennst wahrscheinlich das Gefühl, das diese Aufgaben bei dir erzeugen. Und wenn du solche Aufgaben vor dir herschiebst, musst du dich erstmal nicht mit der Aufgabe und vor allem den unangenehmen Gefühlen beschäftigen. Vorerst.

Es gibt aber auch Gründe fürs Aufschieben, die mehr mit der Persönlichkeit zu tun haben. Da ist die Angst, Fehler zu machen. Die kann so groß sein, dass du gar nicht erst mit der Aufgabe anfängst.

Es gibt auch Menschen, die Aufschieben unterbewusst als mögliche Entschuldigung nutzen, wenn Aufgaben nicht so gut erledigt werden. „Ich hatte ja nicht genug Zeit …“ oder „Ich konnte mich für die Prüfung nicht genug vorbereiten …“.

Manche Menschen brauchen auch Zeitdruck als Motivator. Sie kommen erst richtig in Gang, wenn es eng wird.

Kennst du einen der 3 genannten Persönlichkeitseigenschaften? Dann ist es besonders wichtig, einmal tiefer zu bohren, wozu du bestimmte Aufgaben aufschiebst. Hierin kann großes Potenzial für deine persönliche Weiterentwicklung liegen.

Die 6 besten Tipps gegen Aufschieberitis

1. Mit To-Do Listen arbeiten, Aufgaben einplanen und erledigen: Die Wahrscheinlichkeit, dass du Aufgaben erfüllst und Ziele erreichst, steigst immens, wenn du sie schriftlich festhältst. Selbst bei Alltagsaufgaben. Und am besten gleich feste Termine einplanen, an denen du die Aufgabe erledigen willst (Priorität erhöhen!). Klingt erst einmal einfach. Meisten hakt es bei Aufschieberitis-Aufgaben dann an Schritt 3 – erledigen. Deswegen kannst du die nächsten 3 Tipps wunderbar damit kombinieren.

Schritt für Schritt

2. Große Aufgaben in kleine unterteilen (Salami-Technik), Checklisten verwenden & mit einem ersten kleinen Schritt starten (Baby-Step-Methode): Meistens ist es so, dass große und neue Aufgaben unübersichtlich sind. Es wirkt wie ein Riesenberg, der zu erklimmen ist. An den man sich nicht richtig heran traut. Also lieber aufschieben… Aber wenn du erst einmal angefangen hast, merkst du meistens, dass es gar nicht so schlimm ist. Kennst du das? Deswegen ist das Wichtigste: anfangen. Was kannst du tun, damit das gut und einfach gelingt? Es ist hilfreich, dir die Aufgabe in kleine Teilschritte zu unterteilen. Und am besten gleich mit dem ersten anfangen. Unterstützend dabei sind Checklisten. Da hast du gleich im Blick, was zu tun ist, und kannst abhaken.

Ich habe grad letztens wieder ein Beispiel erlebt, wie toll Checklisten sein können. Daniela aka MissWebdesign (http://www.miss-webdesign.at, die mich im Übrigen dazu befähigt hat, meine tolle Webseite selbst zu erstellen), hat vor kurzem von ihren Kundinnen erfahren, dass diese Dinge wie Backups, Wartungen, etc. für die Homepage immer wieder aufschieben. Und hat eine Checkliste erstellt. Einfach. Klasse. Übersichtlich. Nimmt mir den riesen Brocken, den ich verspüre, wenn ich nur daran denke.

3. Eat the frog Technik & Goldene Nüsse knacken: Das sind zwei Techniken, die dir dabei helfen sollen, die Aufgabe anzugehen. Eat the frog: hier ist die Idee, dass du die unangenehmen Dinge morgens zuerst erledigst. Ohne viel nachzudenken. Dran setzen, erledigen. Danach das Gefühl genießen.

Goldene Nüsse knacken: das ist die etwas sanftere Variante. Da sammelst du die Aufschieberitis Aufgaben in 3 Goldenen Nüssen Kategorien: 1: Aufgaben, die dich deinen persönlichen oder beruflichen Zielen näher bringen. 2: Aufgaben, die unangenehm sind. 3: Aufgaben, die du schon sehr lange vor dir herschiebst. Dann verteilst du diese goldenen Nüsse wahllos in deinem Terminkalender. Taucht eine goldene Nuss als Termin auf, fragst du dich, ob du heute eine goldene Nuss knacken möchtest. Wenn ja, dann legst du los. Und genießt im Anschluss das Gefühl. Wenn nicht, verschiebst du die goldene Nuss …Mehr Infos dazu findest du bei Cordula Nussbaum

4. Belohnen und Erfolge feiern: Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Ich bin riesen Fan davon, sich für Dinge zu belohnen und Erfolge zu feiern. Viel zu oft nehmen wir Dinge, die wir erledigen, als selbstverständlich an. Und gerade, wenn es unangenehme Dinge sind: belohne dich, sobald du den Haken hinter der Aufgabe auf deiner To-Do Liste siehst. Tu dir was Gutes. Und die Aussicht auf eine gute Belohnung kann die Motivation erheblich steigern.

5. Zeugen schaffen: erzähle anderen davon, dass und wann du eine Aufgabe erledigen möchtest. Damit erhöhst du dein commitment, die Aufgabe auch wirklich zu starten. Schließlich weiß ja jetzt jemand davon. Noch besser, wenn die Aufgabe es zulässt: mach eine gemeinsame Aufgabe daraus und startet zusammen.

6. Papierkorb: zum Schluss noch einer meiner absoluten Lieblingstipps! Schau dir die Aufgabe, die du schon so lange vor dir herschiebst, genau an. Welche Erkenntnisse hast du gewonnen, wieso du sie vor dir herschiebst? Und dann sei ganz ehrlich: musst du diese Aufgabe wirklich erledigen? Was passiert, wenn du sie nicht tust? Kannst du dich dadurch von einer Last befreien? Viele Aufgabe lassen sich streichen. Auch wenn man es erst nicht zugibt. Irgendwann hätten sie sich sowieso von selbst erledigt. Und jetzt kannst du aktiv dafür sorgen, dass die Aufgabe dich nicht mehr nervt. Ich mache das regelmäßig – befreie mich von Leichen auf meiner To-Do Liste. Ein tolles Gefühl.

Prokrastination

So, das waren sie. Die besten Tipps gegen Aufschieberitis. Aber bei allen Tipps: sie helfen letztendlich nur, wenn du dich dransetzt. Reflektierst, Abhilfe schaffst und loslegst.

(wenn du dich noch mal über das Thema Prioritäten setzten schlau lesen möchtest, hier der Link zu diesem Artikel )

Also:

Dein Transfer

  • Was sind deine Aufgaben, die du aufschiebst?
  • Wozu?
  • Welche Aufgabe wirst du diese Woche angehen?
  • Welche Technik wirst du verwenden?
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